19. Juli 2006 Machame-Route, sechste Tagesetappe (I)

Körperlich der schwerste Tag in meinem Leben,
Mittwoch der 19. Juli 2006
.
Es ist 23.00 Uhr am Dienstag den 18.07.2006. Vom richtigen schlafen in dieser Nacht auf einer Höhe von 4700 Metern konnte keine Rede sein. Im Schlafsack hat sich ein halbwegs erträgliches Mikroklima eingestellt obwohl das Thermometer im Zelt gerade 9 Grad minus anzeigt. Trotzdem, jetzt ist Aufstehen angesagt. Draußen herrscht schon ordentlich Krach von anderen Gruppen. OK, alle wollen gleich los ziehen. Hilft nix, raus aus dem Sack und die eiskalten Schuhe angezogen, den Rest hatten wir ja schon im Schlafsack an.
Essen wollen wir aber nichts, zwei Tassen heißen Kakao mussten wir zu uns nehmen.

Alles 3 mal kontrolliert, Anziehsachen, Stirnlampe, Gepäck, Thermoskanne mit heißem Wasser und einige trockene Kekse, Stöcke, Handschuhe und Überhandschuhe. Mittlerweile ist es kurz vor Null Uhr. Unser Guide Msafiri, der zweite Mann Praygod, Georg und ich stellten uns zu einem kleine Kreis (nun gut, Viereck) vor dem Zelt auf.
Msafiri sprach ein Gebet und in diesem Moment vergaßen wir die anderen Gipfelstürmer, die Kopfschmerzen und was uns sonst noch alles quälte. Bisher gab es täglich Steigerungen in diesem Bergmassiv, in jeder Hinsicht. Aber in diesem Augenblick, während des Gebetes, erkannten wir glasklar, dass uns noch weitaus mehr abverlangt werden würde. Wir erahnten die Gefahr (fast tödliche Gefahr) und wir hatten plötzlich mehr wie nur Respekt vor dem Berg. Msafiri hat uns gut eingestellt auf diese letzte Herausforderung.

Um 0:05 reihten wir uns ein in den Tatzelwurm von vielleicht 200 Menschen, die alle mit Stirnlampen und Stöcken ausgerüstet die letzte Wegstrecke bis zum Kraterrand in Angriff nahmen.
Abnehmender Mond und ein sternenklarer Himmel, da brauchten wir die Stirnlampe nicht immer. Leider konnten wir die fantastische Aussicht auf die sich den Berg hoch quälende Lichterkette und dem fast kitschig und künstlich wirkenden Nachthimmel nicht genießen. Überkam mich mal die Versuchung eines flüchtigen Blicks, taumelte ich auch sofort wie betrunken hin und her und drohte gar hinzufallen. Die Kopfschmerzen und der Schwindel ließen auch mich ganz schnell wieder den stupiden Blick auf die Hacken des Vordermannes richten.

Bald zeigte das Thermometer 15 Grad minus und der Sauerstoffmangel war allgegenwärtig. Ab etwa 5300 Meter hatte ich kam noch Luft genug, um Pause zu rufen wenn nix mehr ging.
Pause, ha was für ein Wort. Bei dieser Höhe und Kälte trinkst du schnell einen halben Becher heißes Wasser und bewegst dich nach zwei Minuten weiter, sonst bewegst du dich bald gar nicht mehr.

Msafiri hat mich bei etwa 5400 Metern Höhe gefragt was denn 2 + 2 wäre: ganz einfach hab ich gesagt und vier Finger gezeigt. „Ja aber wie heißt die Zahl„? wollte er wissen. Die 4 stand vollkommen klar vor meinem geistigen Auge, aber ich konnte es nicht sagen. In diesem Moment erkannte ich die riesige Gefahr, der wir uns ausgesetzt hatten. Ich wusste genau, wenn ich jetzt stolpere und mich nicht sofort aufrappeln kann, bin ich tot. Viele Gedanken flogen mir durch den Kopf, ungeordnet, nicht wirklich kontrollierbar. Sicher wusste ich noch dass ich verheiratet war, aber der Name meiner Frau – ja sie hat einen Namen, aber welchen. Habe ich Kinder oder wollte ich mal welche haben? Was Sauerstoffmangel so alles bewirkt!
Eine Situation, in der es fast schwer fällt nicht in Panik zu geraten und einfach hinter dem Vordermann her zu laufen.

Das Laufen wie wir es hier im Flachland kennen, das haben wir auch schnell abgelegt, auf dieser letzten Etappe nach ganz oben. Einatmen, einen Fuß nach vorne, ausatmen. Einatmen, einen Fuß nach vorne, ausatmen. Das liest sich jetzt wohl etwas merkwürdig, aber die letzten hundertfünfzig Höhenmeter bis zum Kraterrand sind wir wirklich so „gelaufen“ (getaumelt, gekrabbelt).

Wir haben es geschafft! Pünktlich zum Sonnenaufgang über AFRIKA um 5.30 Uhr (Mitteleuropäischer Sommerzeit) haben wir den Kraterrand erreicht!
Hier, an diesem Punkt gilt der Berg als bestiegen. Eiskalter Wind (- 22 Grad) warf uns fast zu Boden. Instinktiv Schutz suchend kauerten wir uns hinter einen etwa Schrank großen Lava-Brocken. Nur eine ganz kleine Pause wurde uns gegönnt, dann überredeten uns unsere beiden afrikanischen Begleiter (ich möchte fast Freunde sagen) doch noch den kurzen Weg von knapp 150 Metern bis zum UHURU PEAK zurück zu legen.
Na gut das kleine Stückchen noch. Es waren allerdings 150 Höhenmeter für die wir eine weitere dreiviertel Stunde und eine unvorstellbare Selbstmotivation brauchten.

Um 6.14 standen wir am höchsten Punkt von Afrika,
dem UHURU PEAK 5895 Meter hoch
.

Was für ein Gefühl, welch ein Adrenalin-Schub geht durch den Körper. Einige Gipfelfotos habe ich trotz (blau)gefrorenen! Fingern irgendwie hinbekommen. Die Fotos von UNS hat ein Bergfreund einer Elsässer Truppe gemacht. Gestaunt, geguckt, genossen, fotografiert, gratuliert, nach 20 Minuten Hochgefühl ging es zurück.
Mit jedem Schritt bergab kam mehr Kraft in die Beine zurück. Die Sonne brachte auch schnell eine angenehme Themperatur, so dass ich bald ohne Handschuhe und mit offener Jacke laufen konnte. Es ging mir gut und ich habe einige Fotos auf dem Weg bis zum Barafu Camp (4700 m) gemacht.


UHURU PEAK – das Dach von Afrika


Büßerschnee, Gletscher und Wolken


Der Rückweg


es geht bergab


noch 45 Minuten bis zum Barafu Camp (4700 m)


echte Pause nach 9 Stunden Verausgabung

Das Camp war unser Zwischenziel und für diesen Tag das Ende dieses Beitrages.
Morgen folgt der ZWEITE TEIL unserer sechsten Tagesetappe auf der Machame-Route am Kilimanjaro im Juli 2006.

Fotos: Kandelaber-Blog

Sonntag – Blumentag

Sonntag – Blumentag,
nicht unbedingt, aber um mal meinem Ärger mit den Raubrittern, den modernen Wegelagerer, den Grün- bzw. Blauröcken ein wenig zu verdrängen möchte ich zwei schöne Blumenbilder präsentieren. Beide habe ich bereits im letzten Jahr aufgenommen, aber das sollte keine Rolle spielen.



Fotos: Kandelaber-Blog

Blumenlauch

Es ist mal wieder an der Zeit einige Bilder aus dem Garten zu zeigen.
Wie die Überschrift es erahnen lässt, geht es auf den Fotos um eine Allium – Blüte.  Die Zwiebel- und Lauch- Arten (Allium) bilden eine Pflanzengattung in der Familie der Zwiebelgewächse (Alliaceae). Nach zu lesen bei wikipedia.org

Blumenlauch (Allium)
Blumenlauch (Allium)


Allium (Blumenlauch)

Fotos: Kandelaber-Blog